Wunder über Wunder
oder: wie werden wir erfolgreich, wenn wir das nun einmal um jeden Preis sein wollen.
von Virág Erdõs

 

1) Madonna, die weltberühmte Sängerin, nahm sich eines Tages, als sie mit ihren unheimlich guten Einfällen am Ende war, vor, ein Kind zur Welt zu bringen. Da sie sich allerdings vollkommen im klaren über die unausstehliche Natur der Männer war und wußte, daß sie zwecks der Umgehung späterer Komplikationen am Besten daran tut, unter keinen Umständen mit ihnen zu kooperieren, entschied sie, die Sache ohne jegliche Hilfe von Außen, selbst zu machen.

Das tat sie dann auch, deshalb konnte sie den Erfolg ihres ungewöhnlichen Unternehmens voll und ganz auf ihrem eigenen Konto gutschreiben. Ihre Einnahmen vervielfachten sich in jeder Hinsicht, was doch wirklich keine Kleinigkeit ist, so daß sie sich ruhig erlauben konnte, bequem in ihrem Stuhl zurückzulehnen. Wenn dich, angestachelt von Madonnas Beispiel, auch nach kleineren oder größeren Erfolgen verlangt, solltest du niemals vergessen – nicht einmal zufällig -, daß das Leben nichts anderes, als ein besonderes, aber ebenso gefährliches Abenteuer ist, ja sogar, was sonst, zeitweise ganz und gar wie das Golfspiel oder wie Roulette oder wie Twist, und mit dieser Aufzählung könnte man noch recht lange fortfahren.

2) Henry Ford spazierte eines schönen Frühlingstages gerade durch die verkehrsreichen Straßen New Yorks, als er an der Ecke 42. Straße/ Fifth Avenue einen Mensch auf dem Boden sitzen sah. Er ging zu ihm hin, und obwohl dem Mann augenscheinlich beide Beine fehlten, sprach er zu ihm: Steh' auf und geh'. Der Mann riß sich, der Anweisung Folge leistend, zusammen, und ohne daß auch nur eine Sekunde verstrichen wäre, richtete er sich auf aus seinen jammervollen Lumpen, trat mit ehrfürchtigem Gesicht vor Henry Ford, schüttelte ihm die Hand und bedankte sich bei ihm aus ganzem Herzen für all das, was dieser für ihn getan hatte. Ein paar Ecken weiter sprang er in eines der zur Testfahrt bereitstehenden T-Modelle, winkte aus dem Fenster Henry Ford noch zu und brauste schließlich in Richtung Central Park ab. Demzufolge ist überhaupt nichts Verwunderliches daran, daß Henry Ford, der phantastische Konstrukteur und Erfinder, der tadellose Held Amerikas seinen Namen auf ewig in die Weltgeschichte eingeschrieben hat. Er wußte, was zu tun war, zu gegebener Zeit und unter gegebenen Umständen stand er brav seinen Mann, er erkannte seine Überragenden Möglichkeiten nicht bloß, sondern nutzte sie auch in allerbester Weise. Folge seinem Beispiel und aus.

3) Doktor Ross war gerade auf dem Weg zur Klinik, als er auf einen Menschenauflauf vor dem Tor des Hauses Nummer 15 auf dem Washington Square aufmerksam wurde. Obgleich er schon ziemlich spät dran war, ließ ihm sein Gewissen keine Ruhe, unverzüglich stieg er aus seinem nachtschwarzen Toyota Avensis und eilte zum Haus. Als er sich genauer umschaute, erblickte er in der Menge ein junges Mädchen, das sonderbar deprimiert schien. Doktor Ross ging zu ihr, legte seinen Arm zärtlich um ihre Schultern und fragte, womit sie ihr seltsames Verhalten erklären könne. Daraufhin deckte das Mädchen, eher schweigend als sprechend, ihre Lage auf, wonach ihr Bruder vier Tage zuvor unter bedauernswerten Umständen verschieden sei und seitdem ein Geruch in ihrer Wohnung herrsche, der es unmöglich mache, sie zu betreten. Doktor Ross rief daraufhin ins Haus: Komm' raus, Leiche, worauf die Leiche aus dem Haus kam und davonlief. Das junge Geschöpf zeigte sich sehr dankbar gegenüber Doktor Ross, den am nächsten Tag der Krankenhausdirektor zu sich bestellte und ihn darüber informierte, daß er mit einer Gehaltserhöhung rechnen könne, Doktor Ross weis sie natürlich nicht zurück, er bedankte sich sogar herzlich. Auch dieses Beispiel zeigt uns, daß wir uns in der Hoffnung auf einen möglichen Vorteil sicher zu etwas bereit finden müssen, worauf wir keine, aber auch gar keine Lust haben, wenn aber doch, na dann…

4) Mr. Mc Donald war kein mürrischer Mensch, aber irgendwie mochte ihn trotzdem keiner. Irgendwann entschied er dann, daß er sein Einkommen verdoppeln würde. Eines Tages, als seine Familie gerade auf den Feldern in Südkalifornien Rüben hackte, wurde er ganz zufällig Zeuge, wie einer seiner Mitarbeiter und gleichzeitig sein Lieblingsneffe anstelle des gesunden und nahrhaften Mittagessens an alles in allem zwei erbärmlichen Scheiben Alabamaer Zwieback nagte. Mr. Mc Donald fragte seinen Verwandten selbstverständlich sofort, was er denn zum Teufel mache, worauf dieser, statt eine Antwort zu geben, traurig seine Arme ausbreitete, dadurch auch anzeigend, daß er wohl anders wolle, so recht aber nicht könne. Anstatt seinen schicksalsgeschlagenen Mitarbeiter im Stich zu lassen und, sagen wir: hinter ein Gebüsch zu springen, um ihn nur nicht sehen zu müssen, klopfte Mr. Mc Donald vielmehr auf dessen Schulter, und mit Lichtgeschwindigkeit baute er die weltbekannte und nach ihm benannte Schnellrestaurantkette auf, wo sich zudem nicht nur ein paar armselige Fünftausend, sondern die Millionen ganzer Völker Tag für Tag nach bester Laune satt essen können. Was nicht unbedeutend ist, vor allem, wenn wir bedenken, aus was für kleinen Sachen so manches Mal große werden. Versuche auch du es, und wenn du es wirklich willst, na dann um so besser.

5) Popeye, der mutige Seemann, träumte in einer Sommernacht von drei riesigen Haien. Und da er aus Erfahrung wußte, daß das Böses ahnen läßt, trat am nächsten Tag die Tragödie auch ein. Man segelte gerade in der Nähe der schönen Malediven, als Popeye, der Seemann, sich seine Lieblingsmatrosenmütze auf den Kopf setzte und an Deck spazierte. Er kam genau zur rechten Zeit, weil das Meer kurz darauf das Schiff verschluckte. Popeye, der mutige Seemann, verzweifelte jedoch auch jetzt nicht, sondern besann sich vielmehr, und als wäre nichts natürlicher gewesen, spazierte er ans Ufer. In keiner Sekunde verlor er den Kopf, und das gereichte ihm zweifellos zum Guten, der Produzent der sechshundertteiligen Trickfilmserie "Die Champions der Meere" offerierte ihm nämlich eine reichliche Gage, von der er dann sich und seiner Freundin, die er zudem noch sehr mochte, alles mögliche kaufen konnte. Das zeigt auch, daß die äußere Erscheinung doch ganz ordentlich wichtig ist, und wenn du wirklich was erreichen willst im Leben, dann ist es am klügsten, wenn du dir das hinter die Ohren schreibst, andernfalls ergeht es dir wie dem berühmten Tom aus Tom und Jerry, der sich doch schon mehr als einmal blamiert hat, aber das macht nichts.

6) Claudia Schiffer, das von allen bewunderte Schönheitsideal, erwachte eines Morgens und ihr Gesicht und auch die intimsten Stellen ihres Körpers waren mit dicken Blatternnarben bedeckt. Sie dachte sofort, daß das nichts anderes, als die von vielen so sehr gefürchtete und nicht weniger schwere Lepra sein könne.

Natürlich hätte sie mit ihrer ursprünglichen Berufung brechen können und noch am selben Tag etwas Anderes zu lernen beginnen können, das eventuell auch weniger einbringt, doch Claudia Schiffer eilte in ihr winziges Hauslabor, und noch bevor sie sich irgend jemandem gegenüber alles von der Seele hätte reden können, und stellte durch Alligalion verschiedener Komponenten unverzüglich eine außerordentlich wirksame Gesichts- und Körperpflegecreme her, die sie auch gleich ausprobierte. Und der Erfolg blieb nicht aus. Ein Beweis dafür ist, daß auch heute noch hunderte und tausende von Frauen in der ganzen Welt den Namen Claudia Schiffers preisen, und daß einzelne Männer mit ihr sogar sogar ins Bett gehen würden. Wenn du nach all dem gehörten auch glücklich, schön und erfolgreich sein willst, mußt du wissen, daß die ordnungsgemäße und in jeder Hinsicht befriedigende Körperpflege ein genauso organischer Teil unseres Lebens ist, wie zum Beispiel Pisse oder Rotz und noch eine ganze Reihe von all so was, von dem man das beim einfachen Ansehen kaum denken würde.

7) Arnold Schwarzenegger, der erst einem tödlichen Anschlag zum Opfer gefallen war, tauchte gut drei Tage nach dem brutalen Mord unerwartet im Fernsehkanal TV 2764 auf, womit er dessen Einschaltquoten nicht unwesentlich verbesserte. Von da an wollte jeder Fernsehzuschauer, egal zu welchem Kanal er bisher gehalten hatte, nur Arnold Schwarzenegger sehen, und zudem dachte man auch noch das, was er dachte. In Connecticut schaltete eine Hausfrau sogar die Waschmaschine aus, damit sie nicht so dröhne. Manche fanden sogar auf den rechten Weg zurück und gaben beispielsweise nie wieder mehr Salz in ihre Suppe, als nötig gewesen wäre. So kam es, daß der von Millionen und Abermillionen so sehr vergötterte Arnold schließlich alle in ihn gesetzten Hoffnungen maximal erfüllte, was der Chef der Fernsehgesellschaft damit honorierte, daß er ihn unter dem Vorwand eines persönlichen Gespräches zu sich in die hundertste Etage kommen ließ, von wo man alles, aber auch alles, alles sehen konnte, sogar das, was wirklich wichtig ist und auch den Mond, und wahrscheinlich ist er immer noch dort, und ganz sicher bleibt er auch dort, solange die Welt existiert, und später dann kommt er von da, um zu richten über die Lebenden und die Toten, aber es kann auch sein, daß das nicht eintritt.

Aus dem Ungarischen von Merten Bóth, 2004.